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Forschungsmethoden in der Gesundheitspsychologie


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Forschungsmethoden in der Gesundheitspsychologie: AUFGABEN
• empirische abgesicherte Entscheidungen im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention • Beschreibung von Populationen • Vorhersage gesundheitsrelevanter Outcomes • Testung gesundheitspsychologischer Theorien
Kausalität: Bedingungen
1) Eine Ursache muss dem Effekt zeitlich VORAUSGEHEN 2) Ursache und Effekt müssen KOVARIIEREN 3) Es darf KEINE plausiblen ALTERNATIVERKLÄRUNGEN für den beobachteten Effekt, außer der in Frage stehenden Ursache geben
Prävalenz =
in einer Population vorhandenen Fälle eines gesundheitsspezifischen Ereignisses zu einem best. Zeitpunkt (PUNKTPRÄVALENZ), in definiertem Zeitraum (PERIODENPRÄVALENZ), innerhalb der Lebenszeit (LEBENSZEITPRÄVALENZ)
Inzidenz =
neu hinzukommenden Fälle eines gesundheits-spezifischen Ereignisses in einem definierten Zeitraum (i.d.R ein Jahr)
Morbidität =
Anteil der Kranken in einer Population in einer bestimmten Zeitperiode
Mortalität =
Anzahl der Sterbefälle in einer bestimmten Zeitperiode
Letalität =
Anzahl der Todesfälle unter den Personen mit einer bestimmten Erkrankung
Störvariablen =
Variablen, die sowohl auf die unabhängige als auch auf die abhängige Variable einen Einfluss ausüben kann
Umgang mit Störvariablen
bei gesundheitspsychologischen Wirksamkeitsstudien nach Möglichkeit ein Design mit mindestens einer Kontroll- und (KG) einer Interventionsgruppe (EG), einem PRÄ- & einem POSTTEST sowie einem zusätzlichen FOLLOW-UP wählen; ggf. zusätzliche Wartekontrollgruppe
Wartelistenkontrollgruppe
Reifungsprozesse u. historische Ereignisse identifizierbar
Kontingenztafel: Dimensionen
Exposition (ja/nein), Outcome = Erkrankung (ja/nein)
Absolutes Risiko (Kontingenztafel)
erkrankt / (erkrankt + nicht erkrankt)
Relatives Risiko (Kontingenztafel)
absolutes Risiko Exposition / absolutes Risiko keine Exposition
Absolutes Risiko: Ergebnis
Prozentwert für Gruppe (z.B. "Absolutes Herzinfarktrisiko für Raucher = 38,9%, für Nichtraucher = 13,2%")
Relatives Risiko: Ergebnis
Wert der Risikoerhöhung/-verringerung der Expositionsgruppe im Vgl. zur Nicht-Expositionsgruppe (z.B. "Als Raucher ist es 2,9 mal wahrscheinlicher einen Herzinfarkt zu erleiden als als Nichtraucher.")
Odds - Ratio (Kontingenztafel)
Vergleich Verhältnis von Kranken mit Exposition zu Kranken ohne Exposition (A/C) und das Verhältnis von Gesunden mit Exposition zu Gesunden ohne Exposition (B/D) → (A x D) / (C x B)
Odds - Ratio: Ergebnis
zwischen Null und ∞ → je größer der Wert, desto wahrscheinlicher ist das Eintreten des Outcomes in der Gruppe der Exponierten
Odds - Ratio: Wirksamkeitsstudien
je kleiner, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung (hohe Wirksamkeit!)
Quantitative Studien
(1) Basis: wissenschaftl. Theorien/Modelle, (2) deduktive Ableitung von Hypothesen, (3) Hypothesenprüfung mittels emp. Studien, (4) dazu Festlegung Indikatoren/Erfassungsmethoden, (5) Auswertung mittels statist. Verfahren, (6) Hypothesentestung mittels Signifikanztests
Quantitative Studien in der Gesundheitspsychologie
RCT-, Kohorten-, Fall-Kontroll-Studien
RCT-Studien
Randomisierte kontrollierte Studien
RCT: zentrales Merkmale
Randomisierung, prospektive Studie (zur Überprüfung von Interventionen)
Randomisierung =
Gruppenzuordnung durch (computergenerierte) Zufallszahlen
Randomisierung: Ziel
gleiche Gruppen bezüglich Alter, Geschlecht und anderen soziodemographischen Variablen sowie Risiko- und protektiven Faktoren (ggf. weitere, z.B. gestresste Personen bei Anti-Stress-Intervention in beiden Gruppen)
RCT: Vorgehen
(1) Stichprobe, (2) Randomisierung (EG & KG)
Kontrollgruppen (Formen)
keine, normale, Placebo-Behandlung
TAU (Kontrollgruppe)
treatment as usual (normale Behandlung)
Verblindung
Teilnehmer wissen nicht, welcher Gruppe sie zugeordnet wurden
doppelte Verblindung
Teilnehmer + Studienbeteiligte/-leiter wissen nicht, welcher Gruppe Teilnehmer zugeordnet wurden
RCT: Vorteile
Kausalitäten (Exposition → Outcome), Reduktion Verzerrung/Störfaktoren (durch Randomisierung & Verblindung)
RCT: Nachteile
kosten-/zeitintensiv, nur eine Behandlung untersuchbar
Kohortenstudie
Beobachtung einer Kohorte über längeren Zeitraum hinsichtlich des fokussierten Outcomes (tritt dieses ein oder nicht?)
Kohorte =
Personengruppe, unter denen sich sowohl exponierte als auch nicht-exponierte Personen befinden, bei denen der Outcome (z.B. eine spezifische Krankheit) noch nicht eingetreten ist (Expositionsstatus wird erfasst, nicht verändert)
Kohortenstudie: Merkmale
i.d.R. prospektiv, teilweise retrospektiv
Kohortenstudie: Vorteile
Kausalität, Erfassung multipler Outcomes möglich, Erhebung im natürlichen Umfeld (Verringerung von Verzerrungen durch „künstliches“ Interventionen)
Kohortenstudie: Nachteile
zeitintensiv (hohe Kosten, hoher drop-out), Störfaktoren sollten umfassend erfasst werden
Fall - Kontroll - Studien
Vergleich einer Fall- mit einer Kontrollgruppe (= gesunde Personen, die in wesentlichen Merkmalen, z.B. Alter, Lebensstandard, Geschlecht, mit Fallgruppe übereinstimmen)
Fall - Kontroll - Studien: Merkmale
Matching, retrospektive Studie
Matching =
Herstellung einer möglichst hohen Strukturgleichheit zwischen den Gruppen
Fall - Kontroll - Studien: Vorgehen
BEFRAGUNG der Gruppen hinsichtlich EXPOSITION in der Vergangenheit (z.B. spezifisches Gesundheitsverhalten, Medikamentenkonsum) und Sondierung von MESSUNGEN/AKTEN, sofern diese vorliegen
Fall - Kontroll - Studien: Vorteile
kostengünstig, zeitsparend, Berechnung relativen Risikos (Kontingenztafel) mgl.
Fall - Kontroll - Studien: Nachteile
nur eine Untersuchung mgl., Matching als ungenaues Verfahren, Expositionserfassung störanfällig (Erinnerungsverzerrungen)
Recall =
potenzielle Verzerrungen zwischen erinnerten und berichteten Inhalten
typische Erinnerungsverzerrungen (Fall-Kontroll-Studien)
intensive Auseinandersetzung, soziale Erwünschtheit
intensive Auseinandersetzung (Erinnerungsverzerrungen)
von Erkrankten mit krankheitsbezogenen Inhalten → bessere Erinnerung und Überinterpretation im Vgl. zu Gesunden, die ähnlichen Ereignissen eventuell weniger Aufmerksamkeit widmen und sich deshalb auch nicht an sie erinnern
soz. Erwünschtheit (Erinnerungsverzerrungen)
zu niedrige Angaben (z.B. Konsumverhalten) aufgrund negativer Gefühle, die in Bezug auf einen Inhalt resultierten (Scham, selbstwertdienlichen Verzerrungen)
Qualitative Studien
offene, explorative Herangehensweise, die sich im Verlauf des Forschungsprozesses verändern kann
Qualitative Studien in der Gesundheitspsychologie
wenig genutzt
Qualitative Studien: Vorteile
v.a. zur Beobachtung seltener/neuer Phänomene, geben Einblicke in Komplexität der Probanden (differenzierte/umfassende Infos)
Fallbericht (Case-Report)
detaillierte Beschreibung des Verlaufs einzelner Erkrankungen → zentral bei Entdeckung neuer Krankheiten und bei der Untersuchung von Zusammenhängen zwischen potenziellen Risikofaktoren und Erkrankungen
Erhebungsmethoden
Beobachtung, Beschreibung, Rating-Skalen, Tests, biologische Messungen
(wissenschaftl.) Beobachtung =
systematische und regelgeleitete Registrierung des Auftretens und/oder der Ausprägung von ausgewählten, gesundheitspsychologisch relevanten Merkmalen oder Ereignissen (→ folgt zuvor festgelegtem Beobachtungsplan)
Beobachtungsplan
Festlegung, (1) was beobachtet werden soll, (2) welche Aspekte relevant sind, (3) welchen Interpretationsspielraum der Beobachtende hat, (4) wann, wie lange und wo die Beobachtung erfolgt, (5) auf welche Weise das Beobachtete protokolliert und dokumentiert wird
Beobachtungsarten
Selbst- vs. Fremd, (nicht-) teilnehmende, offene vs. verdeckte Beobachtung
Selbstbeobachtung
Selbstreflexion, Beobachtung von Alltagsverhalten, z.B. Tagebuch
Fremdbeobachtung
z.B. Angehörige, Forschungspersonal
teilnehmende Beobachtung
vollständige aktive Teilnahme des Beobachters
offene vs. verdeckte Beobachtung
Transparenz vs. keine Aufklärung über Beobachtung
Beschreibung =
retrospektive Rekonstruktion (keine unmittelbare Datenerfassung)
Beschreibung: Vorteil
ökonomisch
Beschreibung: Nachteile
Verzerrung & Gedächtnislücken durch längere Zeiträume zw. Ereignis und Erfassung
Selbstbeschreibung
Bericht über eigene gesundheitsrelevante Verhaltensweisen und Expositionen, i.d.R. INTERVIEW
Fremdbeschreibung
Aussagen von Angehörigen
Ratingskalen
Einstufung der INTENSITÄT eines Merkmals
Ratingskalen ermöglichen…
quantitativen Vergleich zwischen Personen oder Situationen
Ratingskalen unterscheiden sich hinsichtlich…
Differenzierung der ANTWORTmöglichkeiten und der GESTALTUNG (z.B. numerisch, sprachlich, durch Symbole)
Tests & biolog. Messungen
Erfassung von Risikofaktoren und Outcomes (häufige Verwendung in der Gesundheitspsychologie!)
Forschungsfelder Gesundheitspsychologie
Epidemiologie-, Ätiologisch orientierte, Klassifikations-, Präventions-, Interventionsforschung
Epidemiologieforschung =
Wie variiert die Krankheitsverteilung in Raum und Zeit in Abhängigkeit von Personen- und Umweltvariablen?; Verlauf und Ausgang von Erkrankungen?
Epidemiologieforschung: zentrale Frage
Ist das häufig und bei wem kommt das vor?
Ätiologisch orientierte Forschung =
Herkunft des Zustands? Welche Faktoren führten zur Entstehung des Outcomes/der Krankheit?
Äthiolog. Forschung: zentrale Frage
Woher kommt das und was sind die Ursachen?
gesundheitspsycholog. äthiolog. Forschung
soziale, psychische, biologische (z.B. Polymorphismen = unterschiedliche Genvarianten innerhalb einer Population) Ursachen
Klassifikationsforschung =
Klärung von Identität oder Gestalt einer Erkrankung (Welche Symptome gehören zur Krankheit? Von welchen anderen Krankheiten unterscheidet sie sich?)
Klassifikationsforschung: zentrale Frage
Um was geht es?
Klassifikationsforschung: Ziel
Bildung von Klassen/Kategorien für weitere empirische Analysen (z.B. krank vs. gesund, depressiv vs. nicht-depressiv)
Präventionsforschung =
Möglichkeiten der Vorbeugung von Krankheiten/gesundheitlichen Gefährdungen
Präventionsforschung: zentrale Frage
Wie kann das verhindert werden?
Präventionsforschung: Merkmale
Berücksichtigung und Analyse von Faktoren innerhalb der Person und in der Umwelt, Kosten-Nutzen-Abwägungen
Interventionsforschung
Krankheit bereits vorhanden → empirische Wirksamkeit?; Kosten-Nutzen-Abwägungen
Interventionsmerkmale: zentrale Frage
Wie kann das geheilt/gelindert werden?