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Volition


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Volition
Willenspsychologie. Beschäftigt sich mit bewusster, kognitiver Verhaltenssteuerung und -planung intendierter Handlungen.
Ebenen der Verhaltenssteuerung (Goschke)
Reflexe/Instinkte. Motive. Assoziativlernen. Intentionalhandlung. Volition.
Definition Volition (Goschke)
Bedürfnisunabhängig, selbstreflexiv, selbstkontrollierend. Gegenpol zu Reflexhandlungen. Schließt Affektantizipation und Zielgerichtetheit ein. Bedürfnisantizipation. Immer sprachlich kodierbar.
Äquifinalität
Zustand alternativer Lösungsmöglichkeiten je nach gegebener Situation. Bsp. Tragen einer Wasserflasche vs. Geldausgabe für Lokale.
Konflikte / Interferenzen
Zwischen verschiedenen Zielen, akuten und antizipierten Bedürfnissen und Gewohnheiten. Umso wahrscheinlicher, je mehr Lösungsmöglichkeiten es gibt.
Volitionale Kontrollprozesse (generell)
Koordination sensorischer, emotionaler und motorischer Prozesse zur Zielerreichung. Reaktionen und Handlungstendenzen verstärken, welche zielführend sind, andere mindern.
Prozesse der Volition (detailliert)
Flexible Verhaltensdispositionen. Reizunabhängige Verhaltensauswahl. Fokussierung auf relevante Information. Unterdrückung automatisierter Reaktionen. Unterdrückung konkurrierender Impulse. Handlungsplanung und Koordination multipler Ziele. Monitoring. Wirken z.T. gegeneinander.
Kontrolldilemmata der Volition
Bedürfnis-Antizipation: Stabilität (Perseveration, Hintergrundüberwachung) - Flexibilität (Impulsivität, Ablenkbarkeit). Persistenz-Flexibilität, Abschirmung-Überwachung.
Persistenz-Flexibilitäts-Dilemma
Fortsetzung eines angefangenen Handlungsplans vs. Anpassung an die aktuelle Situation bzw. dessen Aufgabe.
„sunk cost fallacy“
Ein einmal angefangenes Verhalten wird fortgesetzt, obwohl es längst die antizipierten Kosten weit überschritten hat und die erwarteten Kosten der Alternative geringer wären. (Sozialpsychologie, Stroebe & Jonas, 2002)
Abschirmungs-Überwachungs-Dilemma
Konzentration auf eine notwendigen Tätigkeit vs. Beachtung der Umwelt. Vorschlag: Hintergrundüberwachung mit Filtern der ankommenden Reize auf deren Relevanz.
Regulation globaler Kontrollparameter (Goschke, 2008)
Abwägungen im Rahmen der Volition, z.B. Relevanz einer Information vs. Relevanz einer Aufgabe. Zur Lösung der Bedürfnis-Antizipations-Dilemmata.
Wirkung positiven Affekts (Dreisbach und Goschke, 2004)
Geringere Perseveration, aber gleichzeitig erhöhte Ablenkbarkeit. Emotionen beeinflussen Reizwahrnehmung und -verarbeitung.
Willensfreiheit
Möglichkeit einer anderen Entscheidung unter völlig gleichen Bedingungen. Experimentalpsychologisch exakte Situationsreplikation nicht möglich. Grundlegende philosophische Fragestellung.
Determinismus
Das Verhalten ist durch situative und interne Variablen festgelegt. Es gäbe keine Willensfreiheit.
Willen als auswählende Instanz
Aus verschiedenen möglichen Reaktionen. Aber dieser wird wiederum durch Motive, Ziele, Wünsche, Bewertungen und Überzeugungen beeinflusst und determiniert (Bieri, 2001; Goschke, 2004).
Kausalitätsfrage
Gedanke als Ursache einer Handlung vs. interne Ursache für Handlung als auch für Gedanken.
Wegner und Wheatly, 1999
Kausalitätsfrage. Wenn Stimulus und Zielreiz kongruent und in enger Kontinuität waren, hielten sich die Vpn überwiegend verantwortlich für die Bewegungen. (Bewegung einer Computermaus unter einem Brett).
Linser und Goschke, 2007
Kausalitätsfrage. Wenn Priming-Reiz (Wort blau oder gelb) und Zufallsreaktion (blauer oder gelber Kreis auf Bildschirm) kongruent waren, hielten sich die Vpn signifikant häufiger verantwortlich für das Ergebnis.
Libet, Gleason, Wright und Pearl, 1983
Die Vpn trafen die Entscheidung 200 ms vor dem Tastendruck, aber bereits 550 ms vor dem Tastendruck hatte das Bereitschaftspotential (per EEG gemessen) eingesetzt - also 350 ms vor der Entscheidung.
Fundamentalfehler der Attribution
Ereignisse werden deutlich bevorzugt internal attribuiert.
Klassische Willenspsychologie
Reaktionsvarianz oder Konstanz auf denselben Reiz. Handlungspersistenz bei fernen Zielen. Willensstärke gegen innere Widerstände.
Theorie der determinierenden Tendenzen (Ach, 1905)
Richtung des Handeln i.S. einmal gesetzten Ziels entgegen der Kopplung (Assoziation) Reize - Aufgaben. Je größer die Assoziation, umso stärker die Tendenz. Je konkreter das Ziel, umso schneller und sicherer Erreichung.
Volitionspsychologie (Ach)
Aufgabendurchführung vs. Auswahl (letztere nicht Willenspsychologie). Determinierend vs. assoziativ gelernt. Wirkung Zielsetzungen auf kognitive und perzeptuelle Prozesse. Hindernde Wirkung eingeübter Verhaltensweisen.
Auswirkungen des Willensakts (Ach)
(1) Gegenständliches Moment: Zielvorstellung. (2) Aktuelles Moment: Einsicht über Wunsch nach Zielerreichung. (3) Anschauliches Moment: physiologische Spannungsempfindungen. (4) Zuständliches Moment: gesteigerte Anstrengung.
Automatische Prozesse
Quasi unbewusst gewordene einstmals bewusste Prozesse. Erworbene Fähigkeiten. Nicht bei allen Tätigkeiten möglich.
Unterscheidung bewusste - unbewusste Prozesse (Posner & Snyder, 1975)
(1) Auslöser: Intentionen - Reize. (2) Ablauf: bewusst - unbewusst. (3) Kognitive Kapazitätsbelastung: hoch - niedrig bis keine.
Prozess ≠ Handlung
Handlung = Kombinationen von bewussten und unbewussten Prozessen. Unbewusster Prozess bewusst beeinflussbar, aber bindet kognitive Kapazitäten.
Einfluss Wille auf automatisierte Prozesse
Ja. Erhöht oder bildet Bereitschaft, auf Reize mit entsprechendem Reiz-Reaktions-Schema zu reagieren. Auch umgekehrt (Experiment Kooperation).
Stroop-Aufgaben
Vorgabe von Reizen mit konkurrierenden Merkmalen, z.B. rotgeschriebenes Wort „Grün“. Vpn muss einen der Aspekte benennen. Reaktionsverlangsamung.
Schemata-Theorien (Norman und Shallice, 1986)
Bsp. Wenn-Dann-Regel. Bewegungsabläufe - dazugehörige kognitive Tätigkeiten. Starre Reaktionsmuster + flexible Variablen, z.B. Internetrecherche.
SAS supervisory attentional system (Norman und Shallice, 1986)
Aufmerksamkeitsüberwachungssystem. Aktivierung von Schemata entsprechend übergeordneter Ziele, aktiviert kongruente, hemmt inkongruente. Top-Down-Verarbeitung. Handlungen können durch äußere und innere Faktoren ausgelöst werden.
Top-Down-Verarbeitung
Von „Kognition, Bewusstsein“ nach „Handlung, Reizwahrnehmung“.
Anlässe für den Einsatz des SAS (top-down)
(1) Planungs- und Entscheidungsprozesse. (2) Probleme bei der Zielverfolgung. (3) Neue Handlungen. (4) Gefährliche Handlungen. (5) Interferenzen (angelernt, emotional, sonstige).
Rubikonmodell (Heckhausen, 1989; Gollwitzer, 1990)
Vier Handlungsphasen und jeweilige Übergänge. Abwägen (Intentionsbildung !!!) Planen (Intentionsumsetzung) Handeln (Intentionsdeaktivierung) Bewerten.
Intentionsbildung (Rubikon)
Übergang zwischen Abwägen und Planen. Besonders bedeutsam. Änderung der Bewusstseinslage von realitäts- zu realisierungsorientiert.
Realitätsorientierung (Rubikon)
Bewusstsein offen für viele potentielle Ziele und relevante Informationen, neutrale Einschätzung von Valenz und Realisierbarkeit. Phasen: Abwägen, Bewerten.
Realisierungsorientierung (Rubikon)
Ausblendung von Alternativzielen, Vermeidung motivationaler Interferenzen, positiv eingefärbte Einschätzung von Valenz und Realisierbarkeit. Phasen: Planen, Handeln.
Durchführungsintention, z.B. täglich 4h lernen (Rubikon)
Detaillierter als Zielintention (z.B. Prüfung bestehen). Selbstregulierend. Positive Wirkung. Selektive Reizwahrnehmung. Erkennen von Gelegenheiten.
Handlungskontrolltheorie nach Kuhl (1983)
Unterteilung des Handlungsprozesses in motivationalen der Zielsetzung und volitionalen der Zielrealisierung. Gedächtnisinhalte der Ziele bestehen aus Zielzustand, Handlungsplan und Ausführungsbedingungen. Kontrollstrategien.
Reaktion bei erfüllten Ausführbedingungen (Kuhl)
Abhängig von verschiedenen Faktoren, u.a. ob bindend bzw. Selbstverpflichtung oder unverbindliche Zusage. "Absichtsüberlegenheitseffekt" (Lewin): Unerledigtes besser erinnert. Kürzlich Bearbeitetes schlechter abgerufen (Goschke & Kuhl, 1993).
Strategien bei interferierenden Motivationstendenzen oder Gewohnheiten (Kuhl)
Aufmerksamkeits-, Emotions-, Enkodierungs-, Motivations-, Umweltkontrolle. Die meisten metakognitiv.
Kognitive Zustände der Handlungskontrolltheorie (Kuhl)
Handlungsorientierung und Lageorientierung.
Lage- und Handlungsorientierung (Handlungskontrolltheorie)
Nicht nur als Zustand (state), sondern zum Teil auch als Eigenschaft (trait) gesehen.
Person-System-Interaktion (Kuhl, 2001)
Interaktion kognitiver und affektiver Systeme. Emotionen beeinflussen neben Willensbildung auch Neigung zu Lage- bzw. Handlungsorientierung.
Handlungsorientierung (Kuhl)
≈ Realisierungsorientierung (Rubikon). Realisierung von Intentionen. Schnelleres Erkennen von positiven Emotionen bei anderen.
Lageorientierung (Kuhl)
≈ Realitätsorientierung (Rubikon), ABER negativ definiert durch fehlende Zielbindung (prospektive LO) oder Furcht vor Misserfolg. Verpassen Tätigkeitsinitiierung, Aufschieben, komplexeres Abwägen. Fehlattributionen von Verantwortlichkeit.
Affektmodulationshypothesen (Kuhl)
(1) Positive Affekte steigern Tendenz zur Handlungsorientierung, negative hemmen sie. (2) Fehlende Emotionskontrolle - Verhalten eher negativ bestimmt - Lageorientierung.